Gemeinsam für mehr bauliche Barrierefreiheit

Lebenshilfe Barnim, die Stadt Eberswalde und der Beirat für Menschen mit Behinderungen engagieren sich zum Europäischen Protesttag

Am 5. Mai 2025 beteiligte sich die Lebenshilfe Barnim gemeinsam mit der Stadt Eberswalde und einigen Mitgliedern des Eberswalder Beirat für Menschen mit Behinderungen am Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung – einer bundesweiten Initiative, getragen von der Aktion Mensch.

Unter dem Motto „Zukunft barrierefrei gestalten“ begab sich eine zwölfköpfige Gruppe von Menschen mit und ohne Behinderungen – darunter Personen mit Sehbehinderungen, Rollstuhlnutzende, eine Person mit medizinischem Begleithund sowie Menschen mit kognitiven Einschränkungen – auf einen Stadtspaziergang durch Eberswalde. Ziel war es, die Barrierefreiheit öffentlich zugänglicher Gebäude und Anlagen im Alltag praxisnah zu testen und Schwachstellen zu identifizieren.

Die Route führte vom Bahnhof über eine Busfahrt zur Friedrich-Ebert-Straße mit Stationen bei der Stadtbibliothek, dem Paul-Wunderlich-Haus, dem Marktplatz und schließlich zum Rathaus. Während des Rundgangs wurden zahlreiche Beobachtungen dokumentiert. Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick:

Bahnhof Eberswalde: Zwar grundsätzlich stufenlos erreichbar, doch beeinträchtigt durch eine tiefe Regenrinne am Eingang und ein unvollständiges bodengebundenes Leitsystem für sehbehinderte Menschen. Weitere Kritikpunkte waren abgenutzte Bodenbeläge, fehlende Fahrstuhlansagen, die Entfernung zum öffentlichen WC sowie eine mangelnde Beschilderung. Positiv fiel die vorhandene Braille-Beschriftung an den Handläufen und die guten Parkmöglichkeiten auf.

Busfahrt & Friedrich-Ebert-Straße: Lob gab es für die akustischen Fahrplanansagen und die technische Ausstattung der Busse mit Rampen und Absenkungsmechanismen. Negativ wurde das unebene Kopfsteinpflaster in der Friedrich-Ebert-Straße für Rollstuhlfahrer empfunden. Eine Teilnehmerin wies zudem darauf hin, dass sie in Bussen häufig aufgefordert werde, ihrem Assistenzhund einen Maulkorb anzulegen – ein Missverständnis, das für Betroffene belastend ist.

Stadtbibliothek im BBZ: Hier wurden die automatisierte Eingangstür und die Besucher*innenklingel positiv hervorgehoben. Allerdings fehlt eine ausreichende Beschilderung, die Türen sind teilweise kontrastarm und der Fahrstuhl zu klein.

Paul-Wunderlich-Haus: Viele architektonische Elemente erschweren die Orientierung. Glasflächen ohne Sicherheitsmarkierungen, fehlende Fahrstuhlansagen und ein Mangel an klarer Beschilderung stellen große Barrieren dar. Die Designorientierung der Treppen widerspricht geltenden Barrierefreiheitsnormen. Gut waren hingegen taktile Orientierungshilfen an Treppengeländern.

Marktplatz: Der Marktplatz punktet mit einem rutschfesten, ebenen Belag und Sitzmöglichkeiten. Kritisch wurden blockierte Wege und die mangelnde Nutzbarkeit der Behindertentoilette angemerkt. Die Querung zum Rathaus ist hingegen gut gelöst – mit Leitsystem und akustischer Ampel.

Rathaus Eberswalde: Trotz stufenloser Zugänge und ausreichend Platz im Foyer ist der kleine Fahrstuhl ein großes Hindernis, vor allem für elektrische Rollstühle. Es fehlt an klaren Beschriftungen, Stufenmarkierungen und einem separaten Behinderten-WC. Positiv: ein besetzter Empfangsbereich bietet Orientierung und Unterstützung.

Der Stadtspaziergang hat gezeigt, dass bereits viele Maßnahmen zur Barrierefreiheit umgesetzt wurden – es bleibt jedoch in zahlreichen Bereichen Handlungsbedarf. Gerade was durchgängige Leitsysteme, klare Beschilderung und nutzbare Aufzüge betrifft, gibt es Verbesserungspotenzial.

Die detaillierten Beobachtungen wurden ins Rathaus getragen.

Die Lebenshilfe Barnim bedankt sich bei allen Beteiligten für den offenen Austausch und die wertvollen Eindrücke. Gemeinsam setzen wir uns weiter für eine inklusive und barrierefreie Zukunft ein – nicht nur am 5. Mai, sondern an jedem Tag im Jahr.