Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin

Im Gespräch mit Sylvia Hartmann

Am 21.01. ist der nächste Berufemarkt im OSZ II, an dem auch wir wieder als Aussteller beteiligt sind.

Aus diesem Anlass möchten wir euch eine unserer Kolleginnen vorstellen, die vergangenes Jahr erfolgreich ihre Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin abgeschlossen hat – Sylvia Hartmann.

Sylvia betreut die Menschen in der Wohnstätte „Heidehaus“. Im Spätsommer konnten wir sie besuchen und ihr einige Fragen stellen.

Hallo Sylvia, wir kennen uns ja schon, aber kannst du dich bitte nochmals kurz vorstellen für dieses Interview?

Natürlich. Mein Name ist Sylvia. Ich bin 47 Jahre alt und komme aus Eberswalde. Ich arbeite im Heidehaus in Groß Schönebeck und habe gerade meine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin beendet.

Warum hast du dich entschieden, erneut eine Ausbildung anzufangen und so dein Leben nochmals umzustellen?

Das Leben umzustellen, ist der richtige Passus dazu.

Ich habe schon immer gerne mit Menschen gearbeitet – auch in meinen vorangegangenen Berufen in der städtischen Hauswirtschaft, in der Gastronomie oder im Verkauf. Zudem sind so gut wie alle aus meiner Familie in sozialen Berufen tätig, was mich wiederum auch positiv beeinflusste. So stellte es sich immer weiter heraus, dass ich mit Menschen arbeiten möchte.

Den Anreiz meine damalige Stelle aufzugeben, kam direkt von den Menschen mit Behinderung und ihren Betreuern, die ich im Verkauf als Kunden hatte. Sie meinten, es sei zu schade, dass ich nicht unmittelbar den Menschen beiseite stehe. Irgendwann kam bei mir dann der Punkt, wo ich mich traute und nochmals eine neue Ausbildung begann – ein wirklich toller Schritt in meinem Leben.

Was motiviert dich daran, mit Menschen mit Behinderungen zu arbeiten?

Die Herausforderung ist eine ganz andere. Schon in meinem Praktikum im Altersheim stellte sich das heraus. Es motiviert mich, Menschen zu begegnen, mit Menschen zu sprechen, gemeinsame Unternehmungen und Aktivitäten durchzuführen.

Wie bist du explizit darauf gekommen, bei der Lebenshilfe die Ausbildung anzufangen?

Ich habe viele Bekannte, die bei der Lebenshilfe arbeiten oder gearbeitet haben. Alle sind hellauf begeistert von der Tätigkeit. Da lag es nahe, mich bei der Lebenshilfe Barnim zu bewerben. Zudem ist mir die Wertschätzung der Menschen wichtig. Diese spiegelt die Lebenshilfe und ihre Geschäftsführung wieder.

Wie war es für dich, als die Ausbildung dann losging?

Ich hatte großen Respekt vor der Ausbildung, da die Schule schon etwas her war bei mir. Zum Glück hatte ich Rückhalt von der Familie, aber auch von den Teamleitern sowie der Geschäftsführung der Lebenshilfe.

Dann ging alles relativ schnell los. Zwar war ich schon in der Einrichtung tätig, aber nachdem ich den Wunsch zur Ausbildung äußerte, war ich innerhalb einer Woche in der Schule. Es ist aber alles positiv verlaufen – trotz der Corona-Krise hatte ich immer Ansprechpartner und Unterstützung.

 

Nach der Ausbildung wurdest du ja fest übernommen. Was sind nun deine Aufgaben?

Als Fachkraft betreue ich meine Gruppe mit 8 Bewohnern. Ich habe im Prinzip dieselben Aufgaben, wie in der Ausbildung – die Assistenz und Unterstützung der Menschen mit Behinderungen im Alltag. Ich begleite sie auch bspw. zum Arzt oder plane Aktivitäten der Freizeit und des kulturellen Lebens. Das alles zusammen als Team der Wohnstätte Heidehaus.

Deine Ausbildung ist ja nun erfolgreich absolviert und du wurdest fest übernommen. Hast du jetzt schon neue Ziele?

Ja, ich ziele schon auf einige Weiterbildungen ab. Vor Allem jene, die das „geeignete Verfahren“ beinhalten. Das war schon Thema in der Ausbildung – bei mir speziell die basale Stimulation. In diese Richtung möchte ich weiter gehen und tiefer einsteigen.

Was würdest du jungen Menschen mitgeben, die kurz vor ihrer Ausbildung stehen?

Bei jungen Menschen ist das ja immer etwas schwierig. Wir sollen am besten ja schon mit 16 Jahren wissen, was wir den Rest unseres Lebens machen wollen. Ich finde, wenn man jung ist, sollte man sich erstmal ausprobieren. Vielleicht eine ehrenamtliche Tätigkeit oder ein Praktikum, um erstmal zu schauen, ob mir der Beruf und das Umfeld zusagt.

Was würdest du wiederum älteren Menschen mitgeben, die evtl. nicht 100% zufrieden sind mit ihrer beruflichen Situation?

Zu den Älteren kann ich da schon mehr sagen, da ich mich selber dazu zähle und eigene Erfahrungen gemacht habe. Ich kenne viele, die nicht zufrieden sind mit ihrem Job, aber sich nicht trauen, sich einen anderen Job zu suchen. Durch die höhere Lebenserfahrung und mehr Zeit, da die Kinder evtl. schon aus dem Haus sind, kann man sich aber ruhig viel mehr trauen und auch zutrauen. Horcht in euch, ob ihr den Job gerne macht oder ob ihr nur die Zeit rumbekommt auf Arbeit. Bin ich nicht bereit, den Job zu wechseln und habe ich nicht auch Anspruch darauf glücklich zu sein?

Hast du noch ein letztes Wort für uns?

Ja, ich bin dankbar, dass ich bei der Lebenshilfe Barnim bin und hier die Schule machen durfte. Ich bin dankbar, für die Menschen in meinem Umfeld. Wir unterstützen uns gegenseitig und schätzen uns wert. In Zukunft werden uns einige verlassen und in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Ich hoffe, es kommen viele nach, die interessiert sind an den Umgang und das Miteinander mit den Menschen hier Vorort.

Vielen Dank für das Interview und den tollen Einblick!